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 Vorahnung und Erwartung

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AutorNachricht
Seth

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Schriftfarbe : #A0906A
Spitzname : Lightning

BeitragThema: Re: Vorahnung und Erwartung   Di Dez 08, 2009 11:44 pm

Es war nicht seine Art zu handeln ohne nachzudenken. Manchmal war es nichtmal seine Art zu handeln, nachdem er darüber nachgedacht hatte. Und hin und wieder – in den seltensten Fällen – handelte er und dachte danach nach. Danach tat es ihm leid. Oder auch nicht. Hin und wieder auf jeden Fall. Im Moment bereute er auf jeden Fall. Auffällig gehandelt zu haben, ohne das wirklich zu wollen. Eigentlich hatte er größtenteils anonym bleiben wollen. Er drückte sich den Hut noch ein wenig tiefer ins Gesicht, während er mit Amara an der Hand durch die Menge hastete. Musste er sie dann da mit hinein ziehen? Eigentlich könnte er sich ganz alleine davon machen und sie später irgendwo wieder treffen.
Niemand hatte gesehen, dass sie dazu gehörte. Gerade wollte er sich dazu durchringen, sie alleine zu lassen – der größte Frevel, den er wohl hätte begehen können – da sprach sie mit ihm. Ein Tritt zwischen die Beine? Bei dem Gedanken alleine zog sich sein Magen zusammen.

„Herzchen, dass sind die Waffen einer Frau. Wenn du so etwas wirklich willst, dann handle du bitte das nächste Mal, bevor ich aufhöre nach zu denken.“


Einen Moment lang hielt er inne in der Flucht, zog sie an sich und drückte ihr einen Kuss auf die Stirn.
Aufgehört zu denken, wahrlich, das hatte er. Und so schnell würde er es nicht mehr tun, wenn er es vermeiden konnte. Aber wer konnte schon von sich sagen „So, jetzt denke ich nicht mehr!“ und „nun denke ich wieder.“? Niemand, der ihm bekannt war, war dazu in der Lage. So war das nunmal, wenn man den Gefühlen freien Lauf lies.
Während die beiden durch die Menschen huschten ließ er den Tag bisher noch einmal Revue passieren.
Alptraum.
Zu früh aufgewacht.
Die SMS von dem geheimen Hüter der Schützer.
Amara wecken.
Von Amara angefahren werden.
Frühstücken und drei Tassen Kaffee.
Der Weg zum Bürogebäude.
Auf der Suche nach Menschen, die sie beide nicht kannten.
Von einem Feuertypen bedroht werden.
Nicht nachdenken und auf sich aufmerksam machen.
Fliehen.
Herrlich. Und wie spät war es momentan? Eigentlich wäre er noch gar nicht wach um diese Uhrzeit. Oder würde – je nach Schicht – gerade erst ins Bett zu Amara kriechen. Es sollte ja angeblich diese Leute geben, die das mochten. Aus dem Bett fallen und in Abenteuer verwickelt werden, wenn man es so wollte. Nun, er konnte gut und gerne darauf verzichten. Da gab es schönere Dinge. Mit der Freundin im Bett liegen, gemütlich Frühstücken, entspannten Tag genießen. Verdammte SMS!

Nun, wenigstens schien Amara es ihm nicht übel zu nehmen. Sie strich über seine Hand. Das tat gut. Es brachte ihn zwar nicht runter von diesem brodelnden Berg der Gefühle, aber es tat gut. Regte ein klein wenig ab.
Amara quiekte. Etwas geschah. Gut so, das lenkte ihn ab. Er blieb stehen, sah zu den beiden Frauen. Ein unbekanntes Mädchen hatte Amara am Arm gepackt und ihr Fragen gestellt. So jedenfalls hatte es den Anschein. Doch Amara, anstatt zu antworten, reagierte so wie Seth zuvor. Sie setzte ihre Kräfte ein. Fingerspitzen auf der Stirn der Fremden. Diese wurde noch blasser als sie ohnehin schon war. Armes Mädchen. Die Kräfte seiner Freundin ab zu bekommen war nicht angenehm. Es war auch ihm schon so passiert, daran erinnerte er sich schwach. Nightmare! Was für ein passender Name.
Das Mädchen taumelte. Angst. Man konnte es ihr an der Nasenspitze ansehen. Was auch sonst, wenn man mit Amaras Kräften konfrontiert wurde. Und dann... sie flüsterte einen Namen. Dieses eine Wort, diese Aneinanderreihung der Buchstaben ließ das Blut in seinen Adern gefriehren.

Garet.
Ein kleiner Junge in einer Gasse.
Ein zotteliger Hund daneben.
Das nagende Gefühl des Hungers in beiden Mägen.
Harte Arbeit für ein Kind.
Ein paar Münzen und eine kalte Suppe hin und wieder.
Und die kleine Schwester, die immer wieder ausbüchste um die zu helfen.
Kalte Winter. Milde Sommer.
Garet.

Seth stand da, starrte das fremde Mädchen an. Plötzlich war ihm, als hätte nicht das blasse Mädchen Amaras Kräfte abbekommen, sondern er selbst. Nein. Es war keine Angst die er fühlte. Es war.. etwas anderes. Unsicherheit. Doch. Angst irgendwo tief in ihm drinnen. Angst vor der Vergangenheit. Angst um das Geschwisterkind.
Wie in Trance nahm er Amara in den Arm, die nach dem Einsatz ihrer Kräfte erschöpft keuchte. Doch er nahm es kaum wahr, dass er sie wie zum Schutz an sich drückte und ihr über das bunte Haar strich. Starrte auf das schwarzhaarige Mädchen. Trance. Dieses Wort könnte seinen Zustand in diesem Moment wohl am besten beschreiben.
Selbst Amaras bitte von hier zu verschwinden nahm er erst nach einigen Sekunden wahr. Seine dunklen Augen, noch immer vom Schatten des Hutes verborgen schafften es nur schwerlich sich von der anderen zu lösen und zu Amara hinunter in seinen Armen zu schauen.

„Äh, was bitte?“

Ja, es war peinlich. Aber er hatte wirklich nur mitbekommen, dass sie geredet hatte, nicht den Wortlaut selbst.


(Vor dem Bürogebäude - steht bedröppelt bei Amara und Darja rum)
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Pacem

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Spitzname : Pacem

BeitragThema: Re: Vorahnung und Erwartung   Mi Dez 09, 2009 5:41 pm

Ein Wust aus Decken, Kissen und anderen wärmenden Materialien bedeckte einen Menschen, der offensichtlich nichts mehr wollte als schlafen.
Doch wie das Leben so spielt, wurde er durch einen lauten, nervtötenden Alarm geweckt.
Zuerst schlug er auf seinen Nachtisch, wo eine Delle anzeigte, dass er dass wohl jeden Morgen tat.
Dann fiel sein Arm wieder zu Boden, nur um sich kurz darauf erneut zu heben, und sich ein Mobiltelefon zu greifen, das direkt neben dem Bett auf einer kleinen Kiste lag.
Ohne es wirklich zu beabsichtigen riss er dabei das Ladekabel hinaus, und auf den unerwarteten Ruck liess er es gleich wieder fallen.
Als er es dann wieder in der Hand hatte, schüttelte er die Kissen über seinem Kopf ab und sah auf das Display. *Eine verpasste Nachricht.* Er grummelte.
Warum sagst du mir das jetzt, du moppelkotziges Scheissding.
Dann drückte er mit dem Daumen auf den Button
*Nachricht öffnen*
und las den Satz:
Radikale. Bürogebäude an der 53ten. Hilfe benötigt. Kommt vorbei.
Mürrisch schüttelte er jetzt auch den Rest der wärmenden Hülle ab, und zum vorschein trat ein eher durchschnittlich grosser, relativ gutaussehender Jugendlicher im frühen Collegealter.
Er rieb sich mit der freien Hand die Augen, und beschloss dann, duschen zu gehen.
Die Welt würde in den zehn Minuten schon nicht untergehen.
Als er das Badezimmer frisch rasiert, sauber und tropfend verliess, schnappte er sich ein herumliegendes Handtuch und rubbelte sich nachlässig trocken. Dann sah er sich um und murmelte vor sich hin:
Heute harmloser Jugendlicher... Blue Jeans. Bin ich gut gelaunt? Bin ich das nicht immer? Also auch ein Gelbes Tee. Kalt, warm? Grüne Jacke. Dazu Unterwäsche. Farbe ist egal, sieht heute niemand.
Er holte sich die entsprechenden Kleidungsstücke, und als er fertig angezogen war setzte er sich an den Küchentisch und nahm sich die am vorherigen Abend vorsorglich bereitgestellte Thermoskanne mit – überraschenderweise immer noch warmem – Kaffee.
Er kippte sich eine halbe Tasse voll, ging dann kopfschüttelnd zum Kühlschrank und holte sich Milch, und kippte sie dazu. Dann holte er noch einige Scheiben Brot, und beschmierte sie sich mit gesalzener Butter. Nachdem er aufgegessen hatte, ging er noch mal ins Bad, richtete seine Frisur, zog sich dann seine Schuhe an und ging nach draussen. Rob ging zum Bus, stieg ein und begrüsste den Fahrer. Dann lächelte er und strahlte Symphatie aus.
oO Ihr mögt mich schliesslich alle Oo
Er fuhr bis zur Schnellbahn, stieg dann dort um, und fuhr in Richtug 53te. Wieder gab er sein bestes, um alle um ihn herum mit Wohlgefallen anzustecken.
oO Ja, ihr mögt mich alle, so ist gut. Ist heute nicht ein wundervoller Tag, um ihn damit zu verschwenden vor einem Haus rumzustehen, sich die Beine in den Bauch zu rammen, sich von irgendeinem Freak in den Hals beissen zu lassen und sowieso rumzustressen? Oo
Er lächelte ein Mädchen in seinem Alter an, die zurücklächelte.
oO Jahh, du hast Recht. Ist es. Oo
Als die Bahn an seiner Haltestelle hielt, sprang er fröhlich pfeifend nach draussen und schneite noch mal schnell in das Caffee an der Ecke, um sich einen weiteren Kaffee zu holen. Dann ging er hinaus, suchte sich das erwähnte Bürohaus, und setzte auf eine der Stufen in der Mitte. Schön rein in die Sonne. Er legte den Kopf zurück, setzte ein neues Lächeln auf, und wartete, wobei er versuchte Emotionen um sich herum zu spüren.


[Sitzt vor dem Gebäude auf der Treppe]
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Darja

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Spitzname : Moonshine

BeitragThema: Re: Vorahnung und Erwartung   Mi Dez 09, 2009 11:06 pm

Die Frau, die Darja grade angesprochen hatte, drehte sich zu ihr um. Eigentliche wirbelte sie eher. Darja konnte grade noch einen kurzen Blick auf das Gesicht der Frau werfen, da spürte sie schon deren Finger auf ihrer Stirn und auf einmal prasselten hunderte von Bildern auf sie ein.
Sie stand in ihrer Wohnung. Auf einmal fiel eine Kerze um, und der Tisch mit ihrer Arbeit für’s College an der sie monatelang gesessen hatte fing Flammen. Dann brannte auch der Stuhl sie sprang davon auf und presste sich gegen die Wand. Was zum Teufel passiert hier? Sie musste das Feuer löschen. Aber wie kam sie überhaupt hierher? Grade hatte sie doch noch vor dieser Frau gestanden. Sie blickte sich hektisch um. Nein! Ihre Bücher. Sie schnappte sich eine Jacke und versucht die Flammen, die an den Wänden des Bücherregals hochleckten und sich allmählich an ihren liebsten Büchern vergnügten, auszuschlagen. Doch es brachte nichts auf einmal brannte das ganze Regal.
Plötzlich war sie nicht mehr in ihrem Zimmer. Sie saß auf einem Stuhl auf dem Rasen des Collegegeländes. Genau wie eine Menge anderer Studenten. Das war die Abschlusszeremonie. Sie sah wie jeder Student nach vorne gerufen wurde. Als ihr Name erklang stand sie auf und lief nach vorne. Sie zitterte. War sie nicht grade noch in ihrer Wohnung gewesen? Hatte dort nicht alles in Flammen gestanden?
Sie stand vor dem Direktor des Colleges. Er lächelte sie an und reichte ihr die Hand zum Gratulieren. Da ertönte ein Schrei. Darja schaute sich verwirrt um. Dort direkt vor ihr standen ihre Eltern. Beide riefen sie wüste Beschimpfungen. Dann schnappte sich ihre Mutter das Mirkofon und brüllte für jeden hörbar hinein.

„Sie ist ein Mutant! Haltet euch bloß von ihr fern!“

Darja starrte ihre Eltern entsetzt an. Woher konnte sie das wissen? Sie hatte ihre Mutation doch immer versteckt! Verzweifelt sah sie sich um. Die Studenten und der Rektor wichen vor ihr zurück und auf einmal tauchten überall Polizisten auf.
Aber das konnte doch nicht wahr sein! Niemand wusste von ihr. Nur Garet vielleicht. Aber der…
Sie stand wieder in ihrer Wohnung. Alles war schwarz und verkohlt und in ihrer Hand lag ein halbverbranntes Foto. Sie schaute hinunter. Das war ein altes Foto sie war darauf vielleicht vier Jahre alt. Ein Arm lag auf ihrer Schulter, doch der Rest des Körpers war verschwunden. Weggefressen von den Flammen.

“Nein…Nein das ist nicht wahr.“

flüsterte sie leise und starrte hinunter auf die Reste des einzigen Fotos, dass sie noch von ihrem Bruder und sich besessen hatte.
Sie stand wieder auf dem Rasen des Colleges. Umzingelt von Polizisten. Alle hatten sie ihre Waffen auf sie gerichtet. In ihren Gesichtern spiegelte sich der gleiche Hass wieder den Darja auch in den Gesichtern ihrer Eltern sah.

“Sie werden dich einsperren! Genau wie deinen verkommen Bruder! In irgendein dreckiges Loch werden sie dich sperren, sodass ihr Missgeburten und niemals mehr belästigen könnt!“

Ihre Mutter grinste sie an und begann dann hemmungslos zu lachen.
Nein! Nein! Nein! Das konnte nicht wahr sein. Niemand konnte ihrem Bruder etwas antun.
Darja schluchzte auf. Er war doch wohl mehr ein Kämpfer, als alle hier zusammen.
Plötzlich stand sie vor der Sackgasse in der Garet damals gelebt hatte. Sie blickte an sich hinunter. Kleine Hände in Fäustlingen. Eine dicke Winterjacke. Und auf dem Boden lag Schnee. Viel Schnee.
Aber ihre Hände waren leer. Sie hatte doch früher immer etwas mitgenommen zu ihm.
Sie blickte auf. Aber dort in der Gasse war kein Garet. Darja stolperte weiter. Sie rief seinen Namen. Immer wieder. Aber er war nicht da. Nicht einmal sein Hund. Der sie nach einiger Zeit immer freudig begrüßt hatte.
Und auf einmal war der Schnee nicht mehr weiß. Nein er war blutrot. Vor ihr im unberührten Schnee war eine Blutlache. Eine große Blutlache. Aber weit und breit keine Spur von jemandem dem es gehörte. Und es konnte nicht Garet gehören. Das konnte es es doch einfach nicht.
Er war weggegangen. Er war nicht gestorben. Er konnte doch nicht…

“Nein…Garet?

Darja zitterte und sank zu Boden. Das konnte nicht die Realität sein. Es war einfach nicht…
Ihr Blickfeld verschwamm und Tränen rannen über ihr Gesicht.

“Garet? ... Garet…?


Straßenlärm drang in ihre Ohren. Menschengeplapper. Autolärm. Vor ihr stand immer noch diese Frau, doch nun lag sie in den Armen des Mannes. Darja schnappte nach Luft.
Das…das war nicht echt gewesen…
Darja sackte auf den Boden. Was war das gewesen? Ihr war schwindlig und irgendwas war grade so gar nicht in Ordnung. Sie beugte sich nach vorne und stütze sich mit den Händen auf dem Boden ab. In ihrem Kopf schwirrte alles. Sie schloss die Augen und versuchte ruhig zu atmen.


(Bei Seth und Amara / hat sich nach Amaras Begrüßung mal hingesetzt)
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Serena

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Schriftfarbe : #A8C831
Spitzname : Rage

BeitragThema: Re: Vorahnung und Erwartung   Do Dez 10, 2009 8:33 pm

Die Aufregung war da. Wie jedes Mal, bevor sie sich aufmachte, einen Auftrag auszuführen. Wie immer flatterte ihr Herz, als sei es ein kleiner Schmetterling, der in einer Faust geborgen wurden. Nicht nur das Herzrasen war wieder da, auch das Zittern und die Kälte. Sie fror jedes Mal erbärmlich. Es fing bei ihren Füßen an, die Zehen wurden taub. Dann kletterte die Kälte weiter nach oben, ergriff von ihren Beinen Besitz und ließ die Knie zittern. Als nächstes der Nacken, der kalt wurde, dann Rücken, Arme, Hände. Am Ende war sie nur noch ein zitterndes Bündel, das auf der Bettkante saß und aus dem Fenster starrte. Mit großen Augen, geweitet vor Anspannung und Furcht. Dabei hatte sie das ganze schon zig Male gemacht. Schlimmeres als das, was heute auf dem Plan stand. Alles war geplant, sie hatte einen Weg hinein gefunden und einen Weg hinaus. Es würde nichts schief gehen, es konnte gar nichts schief gehen.
Trotzdem kam die Kälte. Sie wurde sogar so stark, dass Rage aufstand, und sich die Wolljacke überzog. Darin hatte sie alles verstaut, was sie für den Auftrag brauchte. Es war nicht viel. Eigentlich könnte sie das ganze auch ohne irgendwelche zusätzlichen Mittel schaffen. Aber da gab es eine kleine Sache, die das alles leichter von der Hand gehen ließ, schneller. Und Zeit war so ziemlich alles bei dem Auftrag. Sie konnte die anderen nicht ewig warten lassen. Schlimm genug, dass alle informiert waren und darauf warteten, dass etwas passierte. Alle Augen waren auf sie gerichtet. Alle sahen zu ihr auf und warteten nur, dass sie ein weiteres Zeichen setzte. Gespannte Erwartung und der damit verbundene Druck. Keine leichte Aufgabe, aber es war zu schaffen. Sie wusste, sie konnte das, was von ihr verlangt wurde. Sie hatte es schon mehrere Male getan, warum sollte sie heute also mit den Sorgen anfangen?

Ein Knall ließ sie aufblicken. Mit angespannter Miene erhob sie sich vom Bett, tastete noch einmal die dunkelgraue Strickjacke ab, ob in den Taschen auch das war, was sie brauchte. Ein Nicken. Ja, alles da. Sie schlüpfte in ihre Chucks, machte den Gürtel ihrer blauen Jeans wieder zu und verließ ihr Zimmer. Hinein in den Flur. Ein Kloß bildete sich in ihrem Hals. Eben war ihr noch kalt gewesen, jetzt spürte sie eine Hitze in ihrem Magen. So war es immer, sie war das ja schon gewohnt. Aber es war einfach jedes Mal auf’s Neue verstörend.
Rage wandte sich der Zimmertür Yelas zu. Keine Begrüßung, als ihre Mitbewohnerin zu ihr kam. Wie immer sah sie unverschämt gut aus. Rage rümpfte leicht die Nase, machte sich dann aber innerlich auf das gefasst, was jetzt kam. Yela schloss sie fest in die Arme. Und dann…
Dann verschwanden sie.
Und tauchten an anderer Stelle wieder auf. Rage schnappte nach Luft. Gott, sie hasste diese Teleporterscheiße. Unwillkürlich sackte sie nach vorne, stützte sich mit den Händen auf den Knien ab und sog die Luft tief ein, damit ihr die Sicht nicht vor den Augen verschwamm. Man, jedes Mal die selbe Kacke. Und Yela ging es nach so großen Sprüngen auch nicht gerade gut.
Rage blickte an sich hinab, taste probeweise über ihren eher männlichen Körper - von Weiblichkeit konnte bei dem Mangel an Vorbau keine Rede sein. Ja, alles war da, sie war heil angekommen. Kurz lächelte sie Yela zu, ehe diese sie noch einmal in die Arme nahm.

Ja ja, ich kenne den Plan. Halt mal die Füße Still, Herzchen. Schwirr schon ab, lehn dich zurück und genieß die Show.

Einen Sekundenbruchteil später war ihre Mitbewohnerin Schrägstrich Freundin auch schon wieder verschwunden. Allein in dem Klo sah sie sich um. Der Blutfleck auf dem Boden irritierte sie etwas, aber darüber konnte sie hinweg sehen. Das Beste war, dass sie ungestört war.
Einen tiefen Atemzug tat sie, dann zog sie aus ihrer Jackentasche ihren MP3-Player. Sie wickelte das Kabel ab, legte sich die Kopfhörer um die Schultern und drückte sich die kleinen Knöpfchen dann in die Ohren. Das Teilchen angestellt und auf ein bestimmtes Lied geschaltet. Sie hatte entdeckt, dass sie mit diesem Lied mitfühlen konnte. Erst beruhigte es sie und dann half es ihr, ihre Kräfte zu entfalten. Eimn bestimmtes Lied, von Menschen gemacht. Seltsam. Sonst hörte sie eher das Neuere Zeug, Techno, House, Rock. Aber nein, was sie wirklich auf Touren brachte, das war ein Kantate von Carl Orff namens Carmina Burana. Genauer gesagt ein Stückchen dieser Kantate namens „O Fortuna.“ Ein mächtiger Chor, erst ruhig, aber dennoch bedrohlich.
Sie stand da, inmitten des Raumes und drehte ihren MP3-Player auf volle Lautstärke. Sie drehte all ihre Sinne nach innen, in sich selbst und versuchte das zu wecken, was in ihr schlummerte. Die Hitze breitete sich immer mehr aus und Rage schloss die braunen Augen. Sie lauschte der Musik, dem lateinischen Gesang, bewegte an einigen Stellen die Lippen mit. Bei den letzten Worten des relativ leisen Teiles, schlug die die Augen auf, sprach laut mit, was der Chor gleichzeitig sang.

Fero tui sceleris.

Mit einem Paukenschlag wurde der schnelle, laute Teil eingeleitet. Mit diesem Paukenschlag färbten sich die braunen Augen orange, mit diesem Paukenschlag ging ein Ruckeln durch den Raum. Die Stöpsel flogen ihr aus den Ohren. Ein Geräusch erklang, das sich am besten mit einem Cyber-Film vergleichen ließ, wenn mit Plasmakanonen geschossen wurde. Ein Surren, eine Art dunkles Rauschen. Die Klotüren erzitterten. Die Tür knirschte. Rage biss die Zähne aufeinander, während weitere Schübe von ihr abstrahlten. Im Takt ihres Herzschlages, mit jedem Mal stärker werdend.
Sie schritt auf die Tür zu. Hinter ihr zerbrachen mit einem weiteren Surren die Spiegel, die Türen dellten sich ein, flogen nach hinten und knallten gegen die Kabinenwände. Sie drehte den Schlüssel im Schloss und mit einem weiteren Herzschlag, einer weiteren Welle flog die Tür aus ihren Angeln. Menschen schrieen auf, sie konnte es ganz deutlich hören, als sie das Klo verließ und durch die Gänge schritt. Ihre Kräfte hatten nun fast volle Fahrt erreicht.
Ein Surren. Menschen, die auf sie zuliefen, wurden von ihr weg geschleudert.
Noch ein Surren. Schreibtische wurden durch die Gegend geschoben, als würde eine unsichtbare Wand auf sie zurasen. Nichts anderes passierte dort. Die Menschen wollten es nur nicht glauben.
Immer schneller, immer stärker wurden die Wellen, die von Rages Körper abstrahlten. Sie hörte das Klirren von Glas, Schreie und ein Rauschen, das sich die Türen des Fahrstuhls einbogen und drinnen das Seil riss, das den Fahrstuhl auf Stockwerthöhe gehalten hatte. Immer weiter ging sie durch den langen Flur, hin zu den Fenstern, die bei ihrem Näherkommen zerbrachen. Splitter regneten hinunter, auf die Menschen, die dort unten standen. Schreibtische, Bürostühle, sogar einige Menschen wurden durch die Wucht ihrer Wellen durch die zersplitterten Fenster geschleudert, stürzten in die Tiefe. Immer weiter ging sie auf das Fenster zu, bis ihre Haare im leichten Wind flatterten. Sie blickte nach unten, sah wie die Trümmer aufschlugen, wie die Menschen auseinander stoben, schreiend, weinend, sich fragend, was da oben passierte. Eine Bombe vielleicht?
Während Rage die dort unten betrachtete, wurden die Wellen schwächer, bis sie nicht mehr durch den Raum reichten. Bis sie ganz verebbten. Ein Zittern durchlief ihren Körper, sie sackte kaum merklich in sich zusammen, dann blickte sie weiter nach unten, öffnete den Mund und brüllte durch den Raum, hinunter auf die Straße:

MUTANT POWER! EIN GRUß VON UNS AN DIE MENSCHEN!

Dann hob sie den Blick, sah sich um, hob eine Hand und winkte. Nun konnte Yela sie holen, nun musste Yela sie holen!


(Steht am Fenster des nun zerstörten Gebäudes xx Wartet darauf, dass Yela sie holt)
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Spitzname : Administrator

BeitragThema: Re: Vorahnung und Erwartung   Do Dez 10, 2009 8:35 pm

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